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Höhere Zinsen für Sparer – warum fallen dann Anleihekurse?

Luxxs Finance

Grafik zum Thema „Warum Anleihekurse fallen“: Eine goldene Waage veranschaulicht das Zins-Prinzip. Auf der angehobenen Waagschale liegt eine Zinsmünze (steigende Zinsen), auf der abgesenkten Schale eine Anleiheurkunde (fallende Kurse). Daneben steht das Luxxs-Finance-Maskottchen Smart-Luxxs.

Steigende Zinsen können Tagesgeld und andere kurzfristige Anlagen attraktiver machen. Im Depot zeigt sich zwischenzeitlich jedoch manchmal das Gegenteil: Anleihefonds verlieren an Wert. Wie passt das zusammen?

Warum Anleihekurse fallen

Der Konflikt im Nahen Osten hat Energie verteuert. Höhere Kosten für Heizung, Transport und Produktion können nach und nach auch andere Waren und Dienstleistungen verteuern. Um diesem Inflationsdruck entgegenzuwirken, erhöhte die Europäische Zentralbank ihren Einlagenzins zuletzt am 10. September 2026 um 0,25 Prozentpunkte auf 2,50 %. Auch international prägen höhere Zinsen derzeit das Marktumfeld: Die US-Notenbank Fed erhöhte ihren Leitzins am 16. September 2026 ebenfalls um 0,25 Prozentpunkte; ihr Zielkorridor liegt damit bei 3,75 bis 4,00 %.

Am deutschen Anleihemarkt sind bereits seit Längerem steigende Zinsen zu beobachten: Die durchschnittliche Marktrendite umlaufender Bundeswertpapiere stieg innerhalb eines Jahres von 2,58 % auf 3,53 % – ein Anstieg um rund 36,8 % (jeweils zum 15. September). Neue Anleihen bieten dadurch höhere Renditen. Zugleich haben sich neue Kredite für Unternehmen und Immobilienkäufer in den vergangenen Monaten empfindlich verteuert.

Für bereits ausgegebene Anleihen hat das eine unmittelbare Folge. Ein vereinfachtes Beispiel: Eine ältere Bundesanleihe zahlt 1 % feste Zinsen. Wenn der Bund heute neue Anleihen mit einer Verzinsung von 3 % ausgibt, ist die alte Anleihe für Anleger zunächst weniger attraktiv: Sie zahlt weiterhin nur 1 %, während eine neue Bundesanleihe 3 % abwirft. Deshalb wird die alte Anleihe an der Börse zu einem niedrigeren Kurs gehandelt. Das wirkt sich auch auf den Wert eines Fonds aus, der solche Anleihen hält. Je länger die verbleibende Laufzeit der Anleihen, desto stärker reagieren ihre Kurse üblicherweise auf Zinsänderungen.

Was das für Ihre Fonds bedeutet

Geldmarktfonds legen überwiegend sehr kurzfristig an. Ihre Wertentwicklung ist meist vergleichsweise stabil, und ihre Erträge passen sich nach und nach dem aktuellen Geldmarktzins an. Beim Tagesgeld hängt es dagegen von der Bank ab, wann sie Zinsänderungen weitergibt. Aber Achtung: besonders hohe Aktionszinsen gelten häufig nur für wenige Monate und fallen danach oft deutlich niedriger aus.

Fonds mit variabel verzinsten Anleihen, sogenannten Floating Rate Notes, halten Wertpapiere, deren Zinszahlungen regelmäßig angepasst werden. Bei steigenden Referenzzinsen können diese Zahlungen zunehmen. Auch solche Fonds können im Wert schwanken, etwa wenn sich die Bonität ihrer Anleiheschuldner verändert. Fonds mit festverzinslichen Staats- und Unternehmensanleihen halten Papiere mit festen Zinszahlungen.

Unternehmensanleihen können einen Renditeaufschlag gegenüber vergleichbaren Staatsanleihen bieten, tragen dafür aber zusätzliche Bonitätsrisiken. Wir bevorzugen in beiden Kategorien Anleihen guter Bonität, den sogenannten Investment-Grade-Bereich.

Die Duration zeigt, wie empfindlich der Wert eines Anleihefonds auf veränderte Marktzinsen reagiert: Je höher sie ist, desto stärker fallen mögliche Kursbewegungen aus. Als grobe Faustregel kann ein Zinsanstieg um einen Prozentpunkt bei einer Duration von fünf Jahren den Kurs um etwa fünf Prozent drücken. Bei aktiv verwalteten Fonds kann das Fondsmanagement die Duration gezielt anpassen. Ein passiver Indexfonds folgt dagegen weitgehend der Duration seines Vergleichsindex. Diese Flexibilität kann helfen, Zinsrisiken zu begrenzen oder Chancen zu nutzen; einen besseren Ertrag garantiert sie nicht.

Deren angezeigter Wert berücksichtigt täglich die aktuellen Kurse aller enthaltenen Anleihen. Deshalb können insbesondere einzelne Fonds mit längerer Duration derzeit im

Minus stehen, obwohl die enthaltenen Anleihen weiterhin Zinsen zahlen. Für Ihr gesamtes Anlageergebnis zählen sowohl die Kursentwicklung als auch die laufenden Erträge.

Unsere Fonds werden aktiv verwaltet. Laufen Anleihen aus oder schichtet das Fondsmanagement um, können neue Papiere mit höheren Marktrenditen aufgenommen werden. So wächst nach einem Zinsanstieg schrittweise das Ertragspotenzial des Fonds. Bleiben die Marktzinsen anschließend stabil, können diese höheren laufenden Erträge im Zeitverlauf dazu beitragen, die zuvor erlittenen Kursverluste auszugleichen.

Sinken die Zinsen wieder, können zusätzlich Kursgewinne entstehen.Wie lange das dauert, ist nicht vorhersehbar und hängt von der Zusammensetzung des Fonds und derweiteren Zinsentwicklung ab. Steigen die Marktzinsen nochmals schnell und deutlich, sind zunächst weitere Kursverluste möglich – besonders bei Fonds mit längerer Duration.

Wie wir Ihr Portfolio ausrichten

Wann benötigen Sie das angelegte Kapital wieder? In der Beratung stimmen wir die Zusammenstellung der verschiedenen Anlageklassen auf die geplante Anlagelaufzeit und das Risikorendite-Profil Ihres Mandats ab.

Gerade aktuell zeigt sich, wie wichtig diese Auswahl und Gewichtung ist.Bei kurzen Anlagezeiträumen und einem hohen Sicherheitsbedürfnis sind Geldmarktfonds und Fonds mit variabel verzinsten Anleihen oft besser geeignet. Wer länger anlegen möchte, höhere Renditen erwartet und bereit ist, mehr Risiko einzugehen, kann stärker auf festverzinsliche Anleihefonds setzen.

Unsere derzeitige Ausrichtung trägt der aktuellen Unsicherheit Rechnung: Wir kombinieren Geldmarktfonds und Fonds mit variabel verzinsten Anleihen mit aktiv verwalteten Fonds für festverzinsliche Anleihen. Bei der Auswahl bevorzugen wir Anleihen mit kurzen bis mittleren Laufzeiten von Schuldnern im Euroraum mitInvestment-Grade-Bonität.

Wir wissen, dass ein niedrigerer Depotwert Fragen aufwirft. Deshalb betrachten wir mit Ihnen nicht allein den heutigen Kurs, sondern auch die laufenden Erträge, den Anlagehorizont und den Liquiditätsbedarf. Höhere Marktzinsen eröffnen den Fonds neue Ertragsmöglichkeiten, während weitere Kursschwankungen möglich bleiben. Wenn sich Ihre Ziele oder Ihr Kapitalbedarf geändert haben, besprechen wir die passende Gewichtung gemeinsam.

Hinweis und Quellen

Diese allgemeine Marktinformation beschreibt das Zinsumfeld und unsere derzeitige Einschätzung. Sie berücksichtigt nicht die persönliche Situation einzelner Leser und ist keine individuelle Anlageempfehlung. Fondsanteile können im Wert fallen; Erträge und eine Erholung früherer Kurse sind nicht garantiert. Maßgeblich für eine Anlageentscheidung sind die Unterlagen des jeweiligen Fonds und Ihre persönliche Beratung.

Quellen: Europäische Zentralbank, Geldpolitische Beschlüsse vom 10. September 2026; Federal Reserve, FOMC-Erklärung vom 16. September 2026; Deutsche Bundesbank, Tägliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere vom 15. September 2025 und 15. September 2026.